"Die Vuvuzelas der Weinheimer Politik"
GAL und Grüne feierten 30. Geburtstag und haben sich ihre Aufmüpfigkeit bewahrt - "Lieber bockig als zickig" [Pressebericht in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 15.06.2010]
GAL und Grüne feierten 30. Geburtstag und haben sich ihre Aufmüpfigkeit bewahrt - "lieber bockig als zickig"
[Pressebericht in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 15.06.2010]
Weinheim. (keke) "Trau keinem über Dreißig", lautete eine der Parolen der 68er Generation, in der auch Weinheims Grüne ihre Wurzeln haben. Jetzt ist man selbst in das kritische Alter gekommen, wie es die große Geburtstagstorte beim Grünen Alternativen Hoffest auf dem Bauernhof der Familie Rauch festhielt. Doch damit könne man leben, so der Grünen Ortsverbandsvorsitzende Dr. Alexan der Boguslawski.
Auch nach drei Jahrzehnten sei Auf müpfigkeit ("Lieber bockig als zickig") eine Charaktereigenschaft von Grünen und Grün Alternativer Liste (GAL) geblie ben. Boguslawski kündigte an, sich als "Vuvuzelas in der Weinheimer Politik" auch künftig weithin vernehmbar Gehör verschaffen zu wollen.
Neben vielen Freunden riss auch die Reihe der prominenten Gratulanten nicht ab. Mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden Fritz Kuhn, dem Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Winfried Kretschmann, den Landtagsabgeordneten Theresia Bauer und Uli Sckerl sowie dem Fraktionssprecher im Mannheimer Stadtrat, Wolfgang Raufelder, war das dreißig Jahren sind wir in der Mitte der "Who is who" der Partei ebenso zur Gratulationscour angetreten wie Freunde benachbarter Ortsverbände und politische Kontrahenten aus der Kommunalpolitik.
"Auch die Grünen werden einmal grau", blickte OB Heiner Bernhard in die Runde der Anwesenden. Richtig gelassen oder gar altersweise würden deren Mitglieder allerdings wohl nie. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten und Kabbeleien im Gemeinderat bescheinigte er den GAL-Stadträten, um Ergebnisse zu ringen, die sie im Interesse der Bürger für die richtigen hielten. Als einem Mann und Kommunalpolitiker von hoher Authentizität und menschlicher Integrität gedachte Bernhard des ersten Grünen-Stadtrats (1980 1984), Norbert Schäfer, der auf tragische Weise ums Leben gekommen war. "Die GAL Weinheim ist zu einer Erfolgsstory geworden", erkannte der OB an. Und mochte es sich nicht verkneifen, auf den spektakulären Transfer hinzuweisen, in dessen Verlauf es gelungen sei, den ehemaligen Grünen Stadtrat Dr. Torsten Fetzner als Ersten Bürgermeister "auf die andere Seite des Ratstisches zu ziehen".
Die Gründung der Grünen sei untrennbar mit der Erinnerung an ihre erste große Liebe verbunden, gestand Theresia Bauer. Sie schenkte den Weinheimer Parteifreunden grünendes Efeu, von dem man viel lernen könne: "Läuft spitz aus, rankt rasch, bleibt haften und ist nur schwer wieder zu entfernen". 30 Jahre seien gut, aber noch lange nicht genug, meinte Wolfgang Raufelder. Während Grünen Frontfrau Elisabeth Kramer stolz auf sich vielversprechend entwickelnde grüne Keimlinge blickte. Mit Gerrit Fuß, dem Sprecher der Anfang des Jahres gegründeten "Grünen Jugend Weinheim", steht einer ihrer potenziellen Nachfolger bereits in den Startlöchern.
Im Zusammenhang mit der OB Wahl am Sonntag gab sich Kramer geheimnisvoll. "Demokratisch technisch" sei "einiges im Gange", kündigte die Fraktionsvorsitzende an.
Als kleine Kraft habe man angefangen und sei kräftig gegen den Strom geschwommen, blickte Kretschmann auf die Anfangszeiten zurück, als Grüne noch als "Paradiesvögel" und "Staatsfeinde" tituliert worden waren: "Nach dreißig Jahren sind wir in der Mitte der Gesellschaft angekommen und zählen zu den gestaltenden Kräften in der gesamten Republik."
"Grün ist weltweit zur Farbe der Hoffnung und Zukunft geworden", zeigte sich Fritz Kuhn selbstbewusst. Und nutzte die Gelegenheit zu einer Generalabrechnung mit einer"konzeptionslos, zerfahren und richtungslos regierenden" schwarz gelben Koalition in Berlin. Die nächste (Bundestags )Wahl könne schneller kommen als viele glaubten, riet Kuhn den Parteifreunden, auf einen baldigen Regierungswechsel vorbereitet zu sein.
Hans-Peter Schwöbel hatte zuvor mir mundartlichen Einwürfen gesellschaftliche Missstände gegeißelt. Wolfgang Mothes umrahmte die Feier musikalisch.








